Retourenoptimierung 2026: Was sich jetzt verändert.
Von Predictive Analytics über Größenberatung bis zur Kreislaufwirtschaft: Drei Entwicklungen, die den Umgang mit Retouren verändern.
Retouren werden zunehmend vorhergesagt, Präventionsmaßnahmen werden auf ihre tatsächliche Wirkung geprüft und der Umgang mit unvermeidbaren Retouren rückt stärker in den Fokus. Drei Entwicklungen im Überblick.
Retourenoptimierung verändert sich. Lange stand vor allem die Frage im Mittelpunkt, wie sich Retouren vermeiden und Kosten reduzieren lassen. Aktuelle Forschung zeigt jedoch ein breiteres Bild: Retouren werden zunehmend vorhergesagt, Präventionsmaßnahmen werden auf ihre tatsächliche Wirkung geprüft und der Umgang mit unvermeidbaren Retouren rückt stärker in den Fokus.
Drei Entwicklungen sind dabei besonders relevant:
- 0101 Retourenrisiken werden vorhersehbar.
- 0202 Retourenprävention muss ihre Wirkung beweisen.
- 0303 Unvermeidbare Retouren werden zum Wertstrom.
01 — Von der Retoure zur Prognose
Die Forschung entwickelt sich zunehmend von der rückblickenden Analyse von Retouren hin zur Vorhersage, welche Bestellungen mit hoher Wahrscheinlichkeit retourniert werden.
Eine aktuelle Studie aus 2026 untersucht erklärbare Machine-Learning-Modelle zur Vorhersage der Retourenwahrscheinlichkeit im Omnichannel-Fashion-Retail. Dabei werden verschiedene Datenquellen kombiniert, um Retourenrisiken auf Transaktionsebene zu erkennen.
Besonders relevant ist dabei nicht nur die Prognose selbst, sondern die Verbindung von Prediction und Intervention: Erkennt ein Modell ein erhöhtes Retourenrisiko, können gezielt Maßnahmen eingesetzt werden, um die Kaufentscheidung zu unterstützen und eine vermeidbare Retoure bereits vor dem Versand zu verhindern.
Der Trend geht von „Retouren analysieren“ zu „Retourenrisiken früh erkennen und gezielt intervenieren“.
02 — Von der Maßnahme zum Wirkungsnachweis
Retourenprävention entwickelt sich vom pauschalen Einsatz einzelner Tools hin zu gezielt getesteten und datenbasiert optimierten Maßnahmen. Das zeigt sich auch bei Größenberatern: Eine aktuelle Studie eines großen Fashion-E-Commerce-Anbieters mit Bestellungen von Kund:innen aus 113 Ländern untersuchte einen Größenberater, bei dem Kund:innen selbst Angaben zu Körpermaßen, Passform und Körperform machen (Manual Size Advisor). Für dieses konkrete Tool wurde eine um 0,65 % höhere Retourenwahrscheinlichkeit gemessen. Gleichzeitig zeigte sich ein positiver Zusammenhang mit dem Customer Lifetime Value.
Unsere Erfahrungen aus Kundenprojekten mit Manual Size Advisorn zeigen dagegen eine durchschnittliche relative Reduktion der Gesamtretourenquote um 1–2 %. Die unterschiedlichen Ergebnisse machen deutlich: Nicht jeder Größenberater ist gleich. Ausgestaltung, Datenbasis, Nutzerführung und Einbettung in die Customer Journey entscheiden mit darüber, ob eine Maßnahme tatsächlich wirkt.
Der Trend geht von „Tool einsetzen“ zu „Maßnahmen testen, ihre Wirkung messen und die konkrete Lösung auf Retourenursache und wirtschaftlichen Effekt optimieren“.
03 — Von der Retoure zum Wertstrom
Retouren werden zunehmend nicht mehr nur als Kosten des Rücktransports und der Bearbeitung betrachtet, sondern als Wertstrom innerhalb der Kreislaufwirtschaft.
Damit rückt eine zweite Frage neben der Retourenvermeidung in den Mittelpunkt: Wie viel Produktwert bleibt nach einer Retoure erhalten? Mögliche Wege sind beispielsweise Wiederverkauf, Aufbereitung, Wiederverwendung oder Recycling.
Eine 2024 veröffentlichte Studie zu mehr als 630.000 retournierten Kleidungsstücken in der EU zeigt, dass 22–44 % der retournierten Produkte keinen zweiten Konsumenten erreichen. Damit wird deutlich, dass die ökologische Wirkung einer Retoure nicht mit dem Rücktransport endet. Entscheidend ist auch, was anschließend mit dem Produkt geschieht.
Dieser Trend ist insbesondere vor dem Hintergrund der zunehmenden Bedeutung der Kreislaufwirtschaft und der Vermeidung der Vernichtung von Retouren relevant.
Die zentrale Frage lautet nicht mehr nur: „Wie verhindern wir die Retoure?“ – sondern auch: „Wie erhalten wir den Wert der Retoure?“
Kreislaufwirtschaft und aktuelle Gesetzgebung
Die Entwicklung ist auch regulatorisch relevant. Das Bundesumweltministerium hat im Juni 2026 einen Referentenentwurf zur Änderung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes vorgelegt. Ziel der Novelle ist unter anderem die Stärkung der Abfallvermeidung und die Weiterentwicklung des Kreislaufwirtschaftsrechts. Das Gesetzgebungsverfahren läuft derzeit noch; der Entwurf ist damit noch kein geltendes Recht.
Für den Retourenhandel ist insbesondere die Frage relevant, wie Produkte möglichst lange gebrauchsfähig und im Wirtschaftskreislauf gehalten werden können.
Weitere Hintergründe zur Bedeutung von D-Retouren und zur aktuellen Entwicklung des Kreislaufwirtschaftsrechts hat Retectives bereits in einem eigenen Fachartikel aufbereitet: D-Retouren und das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz.
Was diese Entwicklungen für die Retourenoptimierung bedeuten
Die drei Entwicklungen zeigen eine gemeinsame Richtung: Vorhersagen → gezielt intervenieren → Wert erhalten.
Retourenoptimierung wird damit breiter. Es geht nicht mehr nur darum, die Retourenquote zu senken. Entscheidend ist, welche Retouren vermeidbar sind, welche Maßnahmen tatsächlich wirken und wie der Wert unvermeidbarer Retouren erhalten werden kann.
Für Unternehmen bedeutet das: Eine erfolgreiche Retourenstrategie muss nicht nur die Retourenquote betrachten, sondern die Auswirkungen auf Conversion, Customer Lifetime Value, Kosten, Nettogewinn und den verbleibenden Produktwert berücksichtigen.
Autor: Svanja Kleemann, Retectives
Retouren systematisch optimieren
Welche Retouren sind vermeidbar – und wo liegt der größte wirtschaftliche Hebel? Retectives verbindet Retourendaten, Benchmarks und operative Maßnahmen zu einer ganzheitlichen Retourenstrategie.
Retourenpotenziale identifizieren